Dienstag, 20. Mai 2008

Donnerstag, 24. April

Ein schweres Tief mit orkanartigen Stürmen weit nördlich von uns hat das Meer erheblich in Wallung gesetzt. Mächtige, lang laufende Wellen lassen das Schiff deutlich Schräglage einnehmen und entsprechend schwierig ist es, in der Nacht durchzuschlafen. Wie schon in den vergangenen Tagen werden wir per Durchsage gebeten, uns gut festzuhalten, uns vorsichtig auf dem Schiff zu bewegen und im Bad daran zu denken, dass es rutschig sein kann.

Über Nacht hat der Kapitän alle Segel einholen lassen, aber heute um 8 Uhr müssen wieder alle Mann auf ihre Stationen und alles setzen, was am Mast ist. Mit über 10 Knoten wird die Royal Clipper von einem etwa 25 Knoten starken Wind Ostwärts getrieben.

Zum Glück ist heute wieder Tai Chi und auch das Stretching mit Angela findet wieder statt. Doch diese Übungen können genau so wenig wie der nachmittägliche Besuch in der Muckibude dabei helfen, die angefutterten Kalorien wieder zu verbrennen. Uns schwant schreckliches, wenn wir zu Hause zum ersten Mal wieder auf eine Waage steigen werden…..das wird Gott sei dank erst in über einer Woche der Fall sein.

Für den Abend verpflichtete das Programm alle Passagiere, sich als Piraten zu verkleiden. Ohne Kostüm kein Essen, hieß es augenzwinkernd im Programm. Also kamen nahezu alle Gäste irgendwie verkleidet in den Speisesaal, auch das Personal hatte sich ausstaffiert und er herrschte eine ausgelassene Stimmung. Es ist schon erstaunlich, dass sich auch alte Menschen darauf verstehen, so etwas wie Kindergeburtstag zu feiern. Die Spaßveranstaltung setzte sich noch mit einigen lustigen Piratenspielen fort: Teebeutel-Weitwurf etc. Cruise-Director Angela hatte wie immer alles im Griff.

Montag, 19. Mai 2008

Mittwoch, 23. Mai

Heute hat der Wecker bereits um 5.30 Uhr geklingelt, denn schließlich wollten wir an Deck sein, wenn das Schiff in den Hafen von Ponta Delgada einläuft. Schon aus dem Bullauge konnten man in der Dunkelheit die ersten Lichter sehen. Zum ersten Mal seit 10 Tagen wieder Land! Direkt hinter der Brücke versammelten sich nach und nach fast alle Kreuzfahrer. Der unmittelbare Bereich war abgesperrt, weil dort der Kapitän und seine Offiziere ihrer Arbeit nachgingen. Die Segel waren schon vorher eingeholt worden und so glitten wir mit langsamer Fahrt auf die Hafeneinfahrt zu. Inzwischen schälten sich immer mehr Konturen aus der Dunkelheit heraus und aus der Nacht wurde Zwielicht, als die beiden Lotsen an Bord kletterten. „Rudder 20 ° Port side“, lautete das Kommando und Steuermann Marco kurbelte schnell an dem großen Steuerrad, um dann zurückzumelden:“20 ° Port side Captain“ . Noch ein paar Kommandos und wir lagen schließlich pünktlich um 7 Uhr längsseits hinter einem kleineren Feederschiff und einer portugiesischen Fregatte.

Nach einem kurzen Frühstück wurden wir auf zwei Busse verteilt und durften zum Inselausflug aufbrechen. Das war im Grunde ein Reinfall, denn wie man schon beim Anlegen sehen konnte, waren alle höheren Regionen der Insel von dichten Nebelwolken verhüllt.

Zunächst quälten wir uns durch den dichten (!) Verkehr der Inselhauptstadt zu einer Ananas-Plantage. Die Azoren sind nämlich bekannt für die nördlichsten Ananas-Plantagen der Welt. Hier werden die Früchte in Treibhäusern angebaut. Kein Wunder, dass sie entsprechend teuer sind. Eine Ananas in Bio-Qualität wurde im Souveniershop der Plantage für 8 Euro verkauft. Ein stolzer Preis. Mit einem kleinen Fläschchen Ananas-Likör im Gepäck ging es dann weiter zu zwei wunderschönen Kraterseen: dem blauen und dem grünen Kratersee. Nur war leider nichts von beiden Gewässern zu sehen, den sie lagen in dichtem Nebel. Selbst ein kleiner Ort, den wir kurz besichtigen konnten, verhüllte sich in grauen wabernden Schwaden. So musste unsere Reiseführerin eben wortreich beschreiben, was wir nicht sehen konnten. Gegen Mittag wurden wir zurück im Hafen an ein großen mittelalterlichen Fort freigelassen und durften nun auf eigene Faust etwas unternehmen. Rolf, Jens, Christine, Lucie, Jutta und Jürgen sowie Gisela und ich hatten uns vorher nach einem guten Restaurant erkundigt. Irgendwo am Wasser entlang sollte es liegen, Wir machen noch einen kleinen Umweg durch die quirlige Stadt mit ihren schmalen bis gar nicht vorhandenen Bürgersteigen und etwas heruntergekommenen Fassaden und wanderten zunächst bis zum Sportboothafen, wo wir das empfohlene Restaurant vermuteten. Von dort wurden wir aber weiter geschickt und die Straße zog und zog sich. Eine junge Frau, die an uns vorbei marschierte konnte uns dann mit einer etwas konkreteren Wegbeschreibung versorgen und so zogen wir in ihrem Schlepptau weiter an der Küste entlang. Wir landeten schließlich 3,5 Kilometer vom Zentrum entfernt in einer kleinen, schmalen Kneipe, die auf keinen Fall nach hervorragendem Restaurant aussah. Allerdings gab es eine Speisekarte in Englisch und der Laden machte einen etwas heruntergekommenen, aber sehr sauberen Eindruck. Eng gedrängt saßen wir zu viert an blanken Resopal-Tischen mit Papiertischdecke. Es gab ein ganz hervorragendes lokales Bier und zunächst die von Gisela georderten Vorspeisen. Oktopussalat (super), dicke Bohnen und ein anderer, nicht klar identifizierbarer Mix, dazu ein richtiges, handgemachtes Knoblauchbrot. Ein weiterer Zwischengang war eine besondere Muschelart, die angeblich nur auf den Azoren zu finden ist. Sie waren nicht unbedingt ein Highlight. Anschließend teilten wir uns eine sehr große Scheibe Hai-Steak. Und schließlich och ein Stück vom Wrackfisch. Wir haben selten so gut gegessen. Um 16 Uhr standen wir wieder auf der Straße und konnten in der Ferne unseren großen Fünfmaster sehen. Angesichts des vollen Bauchs und der müden Füße haben wir uns dann entschlossen, mit dem Bus (für 72 Cent!) wieder zurück in die Stadt zu fahren. Eine kleine Brillenreparatur, ein Besuch im Internetcafe, eine Postkarte schreiben, ein Zwischenstopp in einem richtigen Cafe, das waren unsere restlichen Aktivitäten in Ponta Delgado.

Nach einem ganz sparsamen Abendessen (Suppe, Salat, Sorbet) kam eine Folklore-Tanzgruppe an Bord. In typischen Kostümen zeigten uns die 14 Sänger und Tänzer mit großer Begeisterung ihr Brauchtum. Sie wurden mit sehr kräftigem Applaus verabschiedet.

Schnell versammelten sich alle wieder auf dem Deck des hell erleuchteten Schiffes, dass sich dann kurz vor 22 Uhr von der Kaimauer löste, den Bug in Richtung Hafenausfahrt drehte und auf das Meer zusteuerte. Kitsch hin oder her: kaum waren wir freigekommen, wurden wieder unter den Klängen der Musik von Vangelis alle Segel gehisst und Kurs auf Malaga genommen.

Bevor wir das Licht in der Kabine ausmachen, können wir durch die Bullaugen das letzte Mal für die nächsten vier Tage Lichter an Land sehen.

Sonntag, 18. Mai 2008

Dienstag, 22. April

Die heutige Nacht war schon wieder eine Stunde kürzer. Kaum hat man sich an die neue Zeit gewöhnt, wird sie schon wieder gewechselt. Ich weiß nicht, ob es daran oder am guten Essen lag, aber wir haben beide sehr schlecht geschlafen und waren froh, dass es draußen hell wurde.

Vor dem Frühstück noch ein wenig klug schnacken auf dem Brückendeck mit Ashlay und Marco, die sich in dem trüben Wetter und der morgendliche Kühle sichtlich unwohl fühlen.

Unsere Tai Chi-Übungen mit Michael laufen immer besser. Es gelingt uns, trotz des schwankenden Schiffes die Augen dabei zu schließen und auf den Beinen zu bleiben. Ich hoffe, wir finden die Willensstärke, auch zu Hause damit weiter zu machen, denn es muss so sein, dass diese Übungen – wenn man sie denn regelmäßig ausführt – eine wohltuende Wirkung auf Körper und Geist ausüben.

Am Vormittag bekommen wir Instruktionen von Cruise Director Angela über unseren Landausflug morgen in Ponta Delgada. Alles scheint bestens organisiert.

Alle sind ein wenig gespannt, endlich wieder Land zu sehen. Leider bedeutet dieser Zwischenstopp auch, dass wir die meiste Zeit auf diesem Schiff hinter uns haben. Bis Malaga sind es ‚nur’ noch knapp 1.000 Meilen.

Nach dem Mittagessen ein kurzes Schläfchen, damit ich fit bin für die letzte Stunde ‚Navigationsunterricht’ mit Oleg, dem zweiten Offizier. Es ist aber mehr eine allgemeine Fragestunde, als Unterricht in Navigation. Oleg beschreibt – immer mit der nötigen Portion Humor, was er in seinem Seefahrerleben schon erlebt hat. Er ist mit seiner Familie nach Argentinien gezogen, hat dort noch mal sein Kapitänspatent gemacht und hat überhaupt keine Lust, wieder nach Russland zurückzukehren. Zum Schluss bekommen alle eine Urkunde mit den Original-Unterschriften von Kapitän Sergej und Oleg. Alle sind glücklich, aber ich bin sicher, das Stück Papier wird zu Hause bald in irgendwelchen Schubladen verschwinden.

Am frühen Nachmittag wird die Wasseroberfläche immer glatter, aber dafür haben wir eine recht starke Dünung. Irgendwann holte die Royal Clipper so weit über, dass unten im Restaurant die Suppentassen durch die Gegend flogen, die Schale mit den Äpfeln durch die Gegend segelte und in der Bar etliche Gläser zu Bruch gingen. Himmel und Meer wirken bleiern.

Der Abend wurde mit einem maritimen Quiz abgeschlossen. Gisela kam locker auf den dritten Platz und wurde mit (sehr originell) einem Koffergurt belohnt.

Samstag, 17. Mai 2008

Montag, 21. April


Trüber Himmel, niedrige Wolken und ein strammer Wind von hinten, so präsentiert sich dieser Morgen. Mit zehn bis elf Knoten macht die Royal Clipper gut Fahrt. Seit mehr als 26 Stunden läuft das Schiff ohne Motorunterstützung. Genau so haben wir uns das vorgestellt. Allerdings ist es schon wieder deutlich kühler geworden und der Wind mit etwa 20 bis 25 Knoten macht sich deutlich bemerkbar.
Obwohl das Schiff deutlich stärker um die Quer- und gelegentlich auch um die Längsachse schaukelt, ist niemand seekrank. Ich glaube, wir haben uns an die Schaukelei gewöhnt. In den ersten Tagen war es ähnlich wackelig und ich habe mich meistens mit einer Hand abgestützt oder am Geländer entlang gehangelt. Jetzt geht es fast ohne Unterstützung. Und auch nach dem Frühstück beim Tai Chi ist es kein Problem, die Augen zu schließen und die Übungen zu absolvieren.
Um 10:15 Uhr hat der Kapitän auf die Brücke gebeten und er erklärt uns kurz die üblichen Segelmanöver, die mit einem Segelschiff gefahren werden. Und dann ist es so weit. Wer will, darf auf dem Vorschiff die Taue für die Stagsegel auf der einen Seite nachlassen und auf der anderen Seite anziehen, als wir eine Halse fahren. Vor lauter Ziehen an den Tauen bekomme ich eigentlich gar nicht mit, wie und wohin das Schiff die Richtung geändert hat. Während wir uns vorne abmühen, hat die ‚normale’ Besatzung an den vier anderen Masten schon längst mit Hilfe der elektrischen Winden die Segel neu gesetzt. Moderne Seefahrt ist eben doch einfacher. Ich helfe anschließend noch dem Maat dabei, die Focksegel zu korrigieren. Er hat seinen Spaß und ich auch.
Das Mittagessen steht heute unter der Überschrift: mediterranes Buffet. Auf der mit einem Koch besetzten Station gibt es kleine Garnelen, Tintenfische, Muscheln und Fischwürfel in einer sehr leckeren Tomatensoße. Ansonsten: Paella, gebratene Hähnchenteile, Nudeln, Pellkartoffeln, Möhrenscheiben, Rindergulasch sowie jede Menge frische Salate. Und natürlich wieder der Tisch mit den Nachspeisen, an dem man überhaupt nicht vorbeigehen kann. Es ist einfach zu lecker und wir haben auch heute wieder eindeutig zu viel gegessen. Die Stunde in der Muckibude am Nachmittag schafft leider keinen Ausgleich.
Am Abend wird wieder brav zu Gitarrenbegleitung Salve Regina gesungen. Eine viel zu traurige Melodie, um sie mit Freude zu schmettern.
Das Abendessen wie immer in großer Runde mit Lucie (ehemalige Parfümeriebesitzerin aus Frankfurt und erfahrene Reisende), Rolf und mit breitem Wissen über alle wesentlichen Dinge des Lebens, Jürgen und Antje(Steuerberater aus Nienburg, mit Zaubertricks vertrauter Witzeerzähler) und Christa und Jens, die ich schon am Anfang beschrieben habe.

Älteste an Bord ist eine englische Lady, mit einem weißen Wuschelkopf a la Einstein, mit 92 Jahren und noch toppfit ist. Sie ist am Anfang der Reise auf den Mast geklettert, hat immer ein freundliches Lächeln und einen Spruch auf den Lippen, wagt sich im Bikini an Deck und tanzt auch gerne mal am Abend in der Tropical Bar den Twist. Abgesehen von ihrer Frisur ist sie immer adrett zurecht gemacht, der Lidstrick sitzt perfekt und die Augenbrauen sind mit leichtem lila nachgezogen.
Dann ist da der große Belgier, der mit seinem Sohn unterwegs ist und sich schon am zweiten Tag an eine alleinreisende Dame aus Deutschland (sicherlich schon über 60) herangemacht hat. Oder war es umgekehrt? Auf jeden Fall sah man die beiden häufig etwas kuschelnd beisammenstehen. Allerdings muss irgendetwas vorgefallen sein, denn nach einigen Tagen standen und saßen die beiden weit auseinander und er hatte eine andere, jüngere Alleinreisende an seiner Seite. Man sieht schon an diesen Zeilen: es ist wie im richtigen Leben an Land….

Freitag, 16. Mai 2008

Sonntag, 20. April



Der Wind bläst stramm von Achtern und das Schiff ist die ganze Nacht hindurch ohne Motorkraft gesegelt. Genau so soll eine Reise auf einem Segelschiff ja sein.

Am Morgen taucht am Horizont ein großer Tanker auf, der uns entgegenkommt. Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man weiß, das man nicht ganz alleine auf diesem Meer ist. Aber es gibt noch etwas anderes, was uns an die Zivilisation erinnert: innerhalb von einer knappen Stunde treiben direkt am Schiff eine Boje mit Resten eines Netzes, ein Plastikkorb und eine leere Plastikflasche vorbei. Wenn man bedenkt, wie wenig befahren dieses Stück des Atlantiks ist, was muss dann erst woanders für ein Unrat im Wasser treiben?

Am Morgen während unserer Tai Chi-Übungsstunde passieren wir in etwa die Stelle, an der vor 50 Jahren die Pamir untergegangen ist. Der Kapitän gibt Signal mit der Schiffssirene und die Passagiere legen eine Schweigeminute ein. Am Abend gibt es eine uralte Dokumentation, die sich am Rande mit dem Untergang der Pamir befasst und sich ansonsten dem Leben auf dieser Art von Windjammer widmet. Nachdem wir nun durch unsere Reise ein Gefühl für die Größe dieses Schiffes bekommen haben, können wir besser verstehen , was auf den nahezu gleich großen Schiffen der P-Line abging, wenn sie in schweres Wetter gerieten.

Mehrmals tauchen Tümmler auf, springen ein paar mal synchron aus dem Wasser und schießen spielend am Schiff vorbei. Aber alles geht sehr schnell. Wer auf der falschen Seite des Schiffes auf’s Meer geschaut hat, der hat Pech gehabt.

Am Nachmittag ist wieder die belebte Knoten-Übungsstunde mit meinem neuen Freund Ashley.

Ein anderer Passagiere, ein klassischer Hamburger (er trägt den Pullover in den Farben des NRV (Norddeutscher Regattaverein), zeigt mir, wie man beispielsweise Leinen an Flaggen befestigt, oder wie man zwei Seile miteinander verbindet.

Beim Navigationsunterricht auf der Brücke fällt mir ein Vertrag ins Auge, der auf dem Kartentisch liegt. Darin sind die Konditionen festgehalten zu denen ein Matrose hier arbeiten muss. Er bekommt 800 US-Dollar im Monat. Damit sind alle Überstunden und die Sonntagsarbeit abgegolten. Selbst die Anreise muss der Mann selbst zahlen. Bleibt er nur 8 Monate an Bord, geht auch sein Heimreise-Ticket auf seine Kosten. HIV-Test und Drogentest sind übrigens für jeden, der hier an Bord arbeiten möchte, obligatorisch.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Sonnabend, 19. April

Heute Nacht mussten die Uhren schon wieder eine Stunde vorgestellt werden. Entsprechend schwer fällt es, morgens rechtzeitig vor dem Frühstück aus dem Bett zu kommen.

Heute ist ein wichtiger Tag. In Ermangelung einer Äquatortaufe gibt es für alle, die zum ersten Mal per Schiff den Atlantik überqueren (…und die sich dazu bereit erklären) eine Neptuntaufe. Seit einigen Tagen wurden schon eifrig Kostüme und andere Utensilien gebastelt, um daraus eine große Veranstaltung zu machen. Neptun und seine Frau in weißem Gewand, mit Krone und Dreizack, einige Engel mit wallenden Gewändern und Flügeln auf dem Rücken, zwei Teufel ein Krebs, eine Schildkröte und ein Tintenfisch – fertig ist der Hofstaat. Dann die ‚Gefangenen’, also die zu Taufenden. Einer nach dem Anderen wurde aus eine zum Gefängnis umfunktionierten Netz herausgerufen, musste einen oder zwei nett drapierte Fische auf einem Silbertablett küssen, Sekt und Taufspruch von Neptun entgegen nehmen, seiner Frau die Füße küssen. Dann wurde er von einem der Teufel mit glibberiger Pampe, Mehl oder/und rohen Eiern eingeschmiert und landete anschließend im kleinen Swimmingpool. Kindergeburtstag eben, an dem auch einige Besatzungsmitglieder beteiligt waren (im Hofstaat von Neptun und unter den Täuflingen).

Vor dem Abendessen haben wir noch mal schnell Knoten mit Ashley geübt. Die ersten drei habe ich langsam in meinem Gedächtnis, aber mit den neuen hapert es noch ein wenig.

Es ist an der Zeit, über das Essen an Bord zu schreiben. An dieser Stelle also etwas zum Frühstück: Ab 7 Uhr stehen im Salon neben der Bar Brot, Croissants, Marmelade und kleines Puddinggebäck bereit. Ab 8 Uhr ist der Speisesaal zum Frühstück geöffnet. Obst, Birchermüsli, Cornflakes für die Gesundheitsbewussten, Speck, Rührei, Würstchen und gekochte Eier für den Liebhaber deftiger Sachen. Natürlich gibt es eine extra Station für Rühreier und Omeletts. Zwei Kritikpunkte an dieser Stelle: Das Brot ist leider weich und recht hell und die Wurst- und Käseauswahl ist ausgesprochen dürftig. Aber es besteht keine Gefahr, zu verhungern.

Mittwoch, 14. Mai 2008

Freitag, 18. April

Heute ist mein 59. Geburtstag und Gisela hat eine Riesenüberraschung für mich: ein iPhone. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Natürlich hatte ich immer neidisch auf Giselas schönes iPhone geschielt, mich innerlich aber schon entschieden, nach Vertragsablauf das schöne, flache HTC-Telefon zu kaufen. Große Begeisterung auf jeden Fall und erst mal 10 Minuten rumspielen. Außerdem noch auf dem Gabentisch: eine DVD-Sammlung mit den ersten 8 Folgen der Kult-Krimi-Serie aus „Kottan ermittelt“ aus Österreich.

Kurz nach dem Frühstück erreichte mich eine ganz liebe Mail von Birte mit Glückwünschen von Bernd und den Kindern. Christine, Jens und Ralf, unsere Bordfreunde, gratulierten noch beim Frühstück. Am Abend ging es weiter mit einer kleinen Geburtstagstorte und einem Ständchen der Servicekräfte aus dem Restaurant.

Zwischen Geschenke auspacken und Geburtstagskuchen lagen wieder jede Menge Aktivitäten. Es ist – für uns – nicht möglich, Langeweile zu empfinden. Mal versuche ich zusammen mit Toni aus Australien ein neues Programm auf meinem Laptop zu installieren(geht erst mal schief und dauert fast anderthalb Stunden), mal werden Musikdateien getauscht(zerschießt mir meine Itunes-Bibliothek, dann ist schon wieder Zeit für das Mittagessen, den Mittagsschlaf, die Nachmittagsgymnastik in der Muckibude, die Knotenstunde mit Oleg. Und zwischendurch muss man ja auch mal auf der Brücke nach dem Rechten sehen. Unter Segel geht es heute nur relativ langsam vorwärts. Der Wind hat weiter auf etwas 10 bis 12 Knoten abgenommen und das Meer ist ruhiger geworden. Die gekräuselte Oberfläche schwingt in langen Wellen.

Für den Abend hat Cruise Director Angela ausgerechnet Gisela und mich ausgewählt, um zusammen mit drei anderen Paaren aus Australien, den USA und Kanada beim Mr. & Mrs. Royal Clipper-Wettbewerb mitzumachen. Bei allerlei lustigen Spielchen wurde das ideale Paar gesucht. Wir haben merkwürdiger Weise nicht gewonnen…..

Dienstag, 13. Mai 2008

Donnerstag, 17. April

Die Sonne scheint, die Segel sind gesetzt. Mit Kurs Nord-Nord-Ost geht es weiter den Azoren entgegen, wenn auch nicht auf der Ideallinie. Wenn wir den Wind nutzen wollen, müssen wir einen etwas nördlicheren Kurs nehmen. Mit Kurs 20 bis 30 Grad pflügen wir dann durch den Atlantik. Am Abend lässt der Kapitän die Segel einholen, schmeißt die Maschine an und versucht dann, mit einem Kurs von 70 Grad wieder Strecke gut zu machen. Obwohl der Wind uns deutlich weniger Vortrieb gibt, als die Maschine, schaffen wir doch über 24 Stunden gesehen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas mehr als 10 Knoten.

Bei einem unserer Besuche auf der Brücke kommen wir mit Ashley ins Gespräch. Er kommt von der Karibikinsel St. Lucia und ist im Grunde von Anfang an auf diesem Schiff. Er wird, wie der Rest der Mannschaft, jeweils für 10 Monate angeheuert. Für wenig Geld, wie er erzählt. Für das Personal ist eine indische Heuergesellschaft zuständig. Deshalb sind auch so viele Inder unter der Decksmannschaft.

Ashley ist so etwas wie ein Bootsmaat. Er geht zusammen mit seinem kleinen indischen Assistenten Wache und wenn Segele gehisst oder eingeholt werden, gibt er die Kommandos. Um seine Heuer aufzubessern und seiner Frau und den drei Kindern etwas mitbringen zu können, verdient er sich nebenbei Geld dazu: er bastelt ein kleines Modell der Royal Clipper aus Dacron und Zahnstochern und verkauft es für 40 Euro an die Gäste (Ashley:„Manche geben noch zusätzlich ein Trinkgeld“). Er hat für das Schiffsmodell sogar extra einen kleinen Karton gebastelt. Weil wir ja eine vorzeigbare Erinnerung an diese Reise brauchen, ist dies das ideale Mitbringsel.

Später verrät uns Ashley, dass er von diesem Geld seinem jüngsten Sohn ein Paar Sportschuhe kaufen will. Der gemütliche Bootsmaat bringt uns auch noch zwei Knoten bei, die mit einer eleganten Handbewegung gemacht werden. Wir haben kaum Gelegenheit zum Üben, aber immerhin kann ich am nächsten Tag schon anderen Passagieren zeigen, wie man’s macht.

Montag, 12. Mai 2008

Mittwoch, 16. April


Wieder mussten die Uhren heute Nacht eine Stunde vorgestellt werden. Komisch, wo wir doch eher nach Norden, als nach Osten fahren. Aber der Kapitän wird schon wissen, was er anordnet. Gegen 8 Uhr gab es ein paar kurze Kommandos auf Deck und die Mannschaft machte sich bereit, weitere Segel zu hissen. Bislang waren nur 10 Fock-Segel in den Masten und nun kamen fast alle Rah-Segel dazu. Kapitän, erster Offizier und zweite Offizier standen draußen neben der Brücke und korrigierten die Arbeit der Rigger. Die Maschine dreht gewissermaßen im Leerlauf und es knarzt mächtig in den Masten. Viele Passagiere hatten nur auf diese Situation gewartet und ließen ihre Kameras heiß laufen. Wer weiß, wie lange es diese Bilder gibt.

Die Royal Clipper liegt deutlich ruhiger im Wasser, aber eben auch mit größerer Schräglage, auch wenn der Wind nur noch mit 5 Beaufort angezeigt wird. Die Fahrt unter Segeln ist auf etwa 9 Knoten zurückgegangen.

Es gibt so viel zu sehen, wenn die Segel gesetzt sind. Genau das haben wir gewollt: mit dem Segelschiff über den Atlantik. Erinnerungen werden Wach an meine Kindheit, als ich die Bücher von Graf Luckner verschlungen habe, und selbst unbedingt Matrose werden wollte. Heute denke ich: als Passagier ist das vielleicht doch angenehmer und vor allem, wenn man es mit den Zeiten von fast 50 Jahren vergleicht.

Vor lauter schauen und staunen vergessen wir fast, zum Frühstück zu gehen. Wir müssen uns beeilen, denn um 9 Uhr ich wieder Tai Chi mit Michael. Diese Zeit ist ein kleiner Höhepunkt des Tages. Diese Übungen mit dem tiefen Atmen und den ruhigen, organischen Bewegungen tun mir gut. Ich ahne, dass man auf diese Weise so etwas wie den eigenen Mittelpunkt finden kann. Auch wenn ich das Gefühl habe und noch mehr den Eindruck erwecke, kaum aus der Ruhe gebracht werden zu können, arbeitet es doch in meinem Inneren gewaltig. Und genau hier ebenfalls Gelassenheit und Kraft zu platzieren, das würde ich gerne hinbekommen.

Am Nachmittag tobt das pralle Leben an Deck: Olympische Spiele, rot gegen blau. Ein großer Klamauk, mit olympischer Flagge, Segel setzen, Wasserball und anderen, aus dem maritimen Leben ausgeliehenen Spielchen. Angenehm war, dass die Besatzung nicht zusehen musste, sondern sich auf die beiden Spielergruppen verteilten. Und natürlich ging der Wettkampf unentschieden aus. Nahezu die Hälfte der Passagiere machte mit.

Sonntag, 11. Mai 2008

Samstag, 10. Mai 2008

Montag, 14. April

Juhuu, die geschlossenen Wolkendecke ist über Nacht ausgetauscht worden und jetzt stehen nur noch vereinzelte Wattebäusche am Himmel. Das Schiff stampft nach wie vor durch die See nahezu gegen den Wind. Der Kapitän hat den Kurs wieder gewechselt und auf 350 Grad gesetzt. Später bei seiner Plauderstunde erläutert Sergej, dass wir vor uns ein sehr großes Hochdruckgebiet haben, dass sich in Richtung Azoren bewegt. Wenn wir etwas weiter ausholen und in Richtung Norden fahren, könnte es sein,dass wir passenderen Wind erwischen. Immerhin geht es gegen Mittag schon mit etwas über 12 Knoten und mehreren Stagsegeln voran.

Die Regenpersenning auf dem Oberdeck ist gerefft, die Liegestühle belegt – das ‚normale’ Bordleben entwickelt sich. Wer will, darf auch mal am großen Steuerrad drehen und versuchen, den Kurs zu halten, freundlich angeleitet vom Kapitän oder einem seiner Offiziere. Nahezu die gesamte Führungsmannschaft ist vorher auf der Kruszenstern gefahren und hat dort das traditionelle seemännische Handwerk gelernt. Kapitän Sergej präsentierte am Vormittag eine kleine Diashow mit Bildern von der Kruszenstern, der Sedov und andere großen Segelschiffen, aufgenommen bei der Sail in Bremerhaven, dem Seglertreffen in Amsterdam und anderen Windjammertreffen.

Das Programm für den heutigen Tag ist pickepacke voll:

8:00 – 8:30 Spaziergang mit Blick auf das Meer

8:30 – 9:00 Morgengymnastik

9:00 Tai Chi

10:15 Captain Sergejs Story Time

11:00 Stretching

14:00 Navigationsunterricht

14:00 – 16:00 Mastklettern (je nach Wetterlage)

15:00 Aquagym

15:00 Malkurs

16:00 Knotenstunde mit Oleg

16:00 Uhr Bridge

18 Uhr Gym Workout

18:30 Uhr Salve Regina singen mit dem Kapitän

21:30 Nacht der Musik

anschließend Tanz unter den Sternen

Und nicht zu vergessen: zwischendurch gibt es ständig etwas zu essen.

Ohne klaren Plan könnten wir etwas verpassen ;-)

Bis zum Mittag haben wir unser Programm gut im Griff gehabt: schwitzen bei der Morgengymnastik, entspannen bei Tai Chi mit Mike, einem der Passagiere, aufpassen bei der Plauderstunde mit dem Kapitän. Da blieb kaum Zeit für das Frühstück.

Der Nachmittag war wesentlich entspannter, trotzdem mit Höhepunkten – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nach einem Schnellkurs in Navigation (Wie komme ich von A nach B, warum ist eine Seemeile nicht überall auf der Welt gleich lang, etc.), ging es rauf in den Mast. Na ja, um ehrlich zu sein, ging es nur 45 Fuß, also 15 Meter hoch. Gesichert mit einem Klettergeschirr durften mutige Passagiere über die Wanten auf den Ausguck klettern. Wenn es nach mir ginge, hätte ich die ‚Stufen’ in etwas geringerem Abstand in die Seile geknotet. Aber na ja,. Dort oben pfeift ein kräftiger Wind von über 25 kts, aber die Aussicht ist aber berauschend: weit und breit nur Meer.

Hier an Bord ist es üblich, sich durchaus zu jeder Mahlzeit mit anderen Menschen an den Tisch zu setzen. Gestern habe ich mit Erik, einem Schweden aus Göteborg gespeist. Sein Markenzeichen sind Hosenträger (hochwertige, zum Einknöpfen). Er hatte eine kleine Firma, die war Weltmarktführer für Saugglocken bei der Geburtshilfe. Heute Abend haben wir zusammen mit Carol und Toni aus Australien den Speisesaal aufgesucht. Sehr nette Gesprächspartner (Australier eben).

Später wurden in der Tropical Bar Melodien aus Musical und Oper von Mischa und Katya vorgetragen. Nicht ganz unsere Wellenlänge……

Freitag, 9. Mai 2008

Sonntag, 13. April

Geschwindigkeit am Morgen: 9,5 Knoten, noch 2.241 Meilen bis Ponta Delgado, Kurs 30 Grad, Außentemperatur 18 ° C (auch wenn es sich wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nach mehr anfühlt.
Erkenntnis des heutigen Morgens: auch die Prospekte von Star Clipper habe nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun. Von wegen weiße Segel unter blauem Himmel auf weitem Meer. Es ziehen Regenschauer über das Meer; von der Sonne ist nichts zu sehen, die Wellen tragen Schaumkrone und das mit dem Segeln schein auch nichts zu werden. Zwei Matrosen versuchten heute Morgen gegen 6 Uhr einige Stagsegel zu setzen, doch als ich kurz unter Deck verschwunden war, um mir den Early Morning Tea aus der Piano Bar zu holen, lagen die Segel schon wieder eingepackt an Deck. Kein Wunder, den der Wind weht mit 7 Bft . Fast genau von vorne. Von vorne heißt an diesem Morgen etwa aus 45 Grad. Ich war nicht der Einzige, der um diese Zeit auf dem Deck nach dem Rechten sah. Ein Amerikaner nuschelte etwas von:“Hier oben geht es mir besser.“ Er hatte sich vorsichtshalber schon die Seekrankheits-Pflaster hinter das Ohr geklebt. Und ganz hinten, windgeschützt mit dem Blick ins Kielwasser lag schon jemand im Liegestuhl, während ein Stück weiter gelegentlich eine Welle aus dem Schwimmbad auf die Planken schwappte. Die Luftfeuchtigkeit ist recht hoch, schon nach kurzer Zeit klebt das Hemd und die Stirn wird feucht. Karibische Gegebenheiten eben, nur ohne Sonnenschein.

Wie war die erste Nacht an Bord? Wir sind schnell eingeschlafen, nicht ohne vorher zum ersten Mal die Uhr eine Stunde vorzustellen. Klares Indiz, dass wir in Richtung Osten segeln. Später, vermutlich deutlich nach Mitternacht, spüren wir ein sanftes Wiegen. Es reicht, das angewinkelte Knie nach vorne zu schieben, um nicht hin und her zu kullern. Gelegentlich hört man eine Welle an den beiden Bullaugen vorbei gurgeln. Von der Maschine ist nichts zu spüren. Ein ganz leises Grundrauschen von der Lüftung – sonst nichts.

Den ganzen Tag über bessert sich das Wetter nicht wirklich. Es weht mit 25 bis 30 Knoten fast von vorne und das Schiff läuft ohne Segel rund 12 Knoten.

Das Tagesprogramm ist heute noch überschaubar: Rettungsübung, Vorstellung der Crew, Tour durch den Wellness- und Fitness-Bereich, gemeinsames Singe von ‚Salve Regina’ mit dem Kapitän zum Sonnenuntergang. Höhepunkt des Abends ist die Modenschau – oder sollte man besser sage – die Verkaufsveranstaltung für die Bordboutique.

Gut, dass nicht so viele Aktivitäten anstehen, denn Gisela kämpft gegen das schwankende Schiff – und hat schon früh verloren. Mit Tabletten von Bordarzt Dr. Thomas Karg, einem Akkupressur-Armband aus dem Segelshop in Bremen und viel gesundem Tee kam sie einigermaßen über die Runden. Ein halbes Hörbuch und etliche Stunden im Liegestuhl auf dem Achterdeck ist sie jetzt, um 22:30 Bordzeit, wieder halbwegs fit.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Sonnabend, 12. April





Mit der Dämmerung ist auch die Nachtruhe vorbei. Ein Bad in der Karibik ist natürlich ein Pflichtpunkt. Das Wasser ist sehr salzig und hat eine angenehme Temperatur. Anschließend noch eine Runde durch den Pool und dann in Ruhe frühstücken. Wir haben uns ein wenig mit dem Stadtplan vertraut gemacht und festgestellt, das sich ganz in der Nähe unseres Hotels das Barbados National Museum befindet. Wir lassen uns noch instruieren, wie das Transportsystem auf Barbados funktioniert: es gibt öffentliche Busse, die ohne festen Fahrplan verkehren und es gibt Minibusse, die ihre Passagiere am Straßenrand auflesen. Ganz gleich, womit man fährt, der Einheitstarif ist 1,50 Barbados-Dollar. Das entspricht etwa 75 US-Cent und damit etwa 0,50 €. Auf dem Weg zum Museum passieren wir das Savannah Hotel und treffen unsere drei Sitznachbarn aus dem Flieger. Gemeinsam wandern wir zum Museum. Es ist einfach gehalten, vermittelt aber übersichtlich die gesamte Geschichte von der ersten Besiedlung durch Indianer aus Venezuela über die Entdeckung durch die Spanier, die Besetzung durch die Briten, die Sklaverei und ihr Ende in den frühen Jahren des 17. Jahrhunderts.

Bridgtown selbst ist eine quirlige Stadt. Auf den Straßen sind viele Menschen unterwegs, überall gibt es Marktstände und Gisela protestiert nicht, als ich eine frische Kokosnuss kaufe, um den erfrischenden Saft zu kaufen. Auffällig ist, dass hier die Autofahrer anhalten, wenn man auch nur Anstalten macht, die Straße zu überqueren. Eine ganz neue Erfahrung. Wir schauen uns eine Kirche an, umrunden das Parlamentsgebäude, dass von außen fast wie eine Kirch aussieht, sitzen am Rande der Marina und schauen ein wenig dem Treiben auf den Straßen zu. In der Ferne können wir neben der beeindruckenden Silhouette eines großen, modernen Kreuzfahrtschiffes die fünf Masten ‚unserer’ Royal Clipper sehen. Obwohl es aus dieser Distanz so wirkt, wie ein paar eng stehende Hochspannungsmasten, löst es doch wieder einen kleinen Impuls spannender Vorfreude aus.

Gegen 15:30 schließlich geht es mit dem Taxi zum Kreuzfahrtterminal. Eine lange Schlange vor einer Tischreihe, an der Zahlmeister und Hoteldirektor sowie andere Mitarbeiter des Schiffs die Einschiffungsformalitäten erledigen. Eine Verzichtserklärung in gruseligem Deutsch muss unterschrieben werden, damit niemand auf die Idee kommt, nach einem Untergang die Reederei verklagen. Wir verzichten auf den kleinen Transferbus und laufen die 500 Meter an der Kaje entlang zum Schiff. Man muss sich dem Segler schließlich langsam und mit Respekt nähern (außerdem kann man so viel besser fotografieren).

Nach und nach versammeln sich die Passagiere unter einem Sonnensegel (vielleicht auch Regendach) an Deck und trinken einen Cocktail. Wir wagen uns in die Tiefen des Schiffes und suchen unsere Kabine. Erstaunlich, wie groß 11 Quadratmeter sein können. Cremefarbene Wandvertäfelung, der untere Teil ist in dunklem Holz gehalten. In der Ecke zur Außenwand zwei zusammengeschobene Betten, Nachtschrank, ein kleiner Schreibtisch, eine niedrige Kommode. Aber Platz genug für uns zwei und der Stauraum reicht auch. Selbst das Bad (bis auf die Dusche) ist ausreichend groß. Wir sind sicher: hier kann man es aushalten.

Vor dem Abendessen noch eine kurze Unterweisung in alle ‚dont’s’ und dann ist es um 21.30 Uhr so weit: Leinen los zur Atlantiküberquerung. Kaum von der Hafenmauer entfernt lässt Kapitän Sergej etliche Segel setzen und ein Stück von Vangelis spielen. Mit vier bis fünf Konten nimmt die Royal Clipper Fahrt auf. Allerdings zeigt sich jetzt schon, dass das zunächst nur für das ‚Ah-und Oh-Gefühl’ war, denn als der Kurs ein wenig von Nordwest auf Nordost geändert werden muss, bremsen die Segel das Schiff total aus und werden eingeholt.

Egal: wir sind auf dem Weg.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Freitag, 11. April 208

Aufgeregt sind wir schon, auch wenn man es Gisela und mir nicht ansieht. Schließlich geht es auf eine Reise ins Ungewissen. Nein, nicht wirklich, den schließlich haben uns unsere Bekannten Claude und Ecki so begeistert von ihrer Tour vor einem Jahr erzählt und auch ein wenig über das Leben an Bord berichtet. Doch die Vorstellung, zu einer großen Segeltour über den Atlantik aufzubrechen kann uns nicht kalt lassen.

Aber von Segeltour ist erst mal keine Rede. Jetzt gilt es erst mal, von Bremen nach Barbados zu komme. Es zahlt sich doch manchmal aus, dass Menschen sich auch sieben Jahre nach de Ende meiner Fernsehpräsenz an mich erinnern. Die freundliche Dame von der Lufthansa, bei der wir einchecken, gibt sich viel Mühe, für uns einen langstreckenfreundlichen Sitzplatz zu buchen. A 22 und C 22. Wir hatten vorher schon im Internet herausgefunden, dass dies wohl die günstigsten Plätze sind: Am Notausgang und direkt vor der Galley. Also nicht nur mehr Beinfreiheit, sondern auch zwischendurch die Gelegenheit, die Füße an der Wand vor uns hochzustellen. Das es dort keinen vernünftigen Blick auf die Monitore gab, machte angesichts des Sitzkomforts wenig aus.

Die 9 ½ Stunden vergingen zwar nicht wie im Fluge (sorry, aber der Kalauer musste sein),aber es war zu ertragen. Gisela hat sich unsere Mitflieger angeschaut und Wetten abgeschlossen, wer von ihnen wohl ebenfalls mit an Bord der Royal Clipper kommen wird. Gleich die erste Wette ist ein Erfolg. Christine und Jens in der Reihe neben uns. Rolf direkt hinter uns kommt als Alleinreisender ebenfalls mit. Und auch einige andere Gesichter, auf die Gisela getippt hat, sehen wir später an Bord wieder.

Der Flughafen von Barbados gehört eher zu den angenehmen Einrichtungen dieser Art. Man darf vom Flieger die paar Schritte zu Fuß zum Terminal gehen, das Personal ist freundlich, die Dame am Einwanderungsschalter kann sogar lächeln und die Abfertigung geht auch trotz manch unvollständig ausgefüllter Formulare recht zügig voran.

Mit dem Taxi geht es unserer Unterkunft, dem Coconut Beach Ressort: ein etwas einfacheres Hotel ca. 20 Minuten von Flughafen entfernt, direkt am Strand, mit einem sehr großen, sauberen Zimmer. Auf der Fahrt frage ich den Fahre noch ein bisschen aus. So erfahren wir, dass etwas mehr als 200.000 Menschen auf der Insel leben, englisch die Amtssprache ist (auch wenn man das Englisch der Menschen hier nicht auf Anhieb versteht und sie sich untereinander in einem völlig fremden Dialekt unterhalten. Haupteinnahmequelle sind die Touristen, die entweder wegen der schönen Sandstrände kommen oder mit einem der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe einfallen, die hier regelmäßig Station machen. Ansonsten gibt es Zuckerrohr auf der Insel, aus der ganz ausgezeichneter Rum gemacht wird.

Ein Bier an der Bar direkt am Strand erhöht die ohnehin vorhandene Bettschwere. Neben uns kommen merkwürdige quietschende Geräusche aus dem Gebüsch. Es klingt, als ob dort eine rostige Pumpe ihre Arbeit verrichtet. Eine Dame (sie wird auch mit uns an Bord gehen) klärt uns darüber auf, dass der Lärm von kleinen Fröschen verursacht wird.Nach einem Bier an der Bar fallen wir schnell in einen kurzen, unruhigen Schlaf. Die Zeitverschiebung macht sich bemerkbar.

Dienstag, 6. Mai 2008

Der Traum.....



Einmal mit einem großen Schiff über das Meer fahren. Das war unser Traum. Und zwar nicht jeden Tag in einem anderen Hafen anlegen und nur nachts auf See. Nein, es sollte eine richtige Seereise werden. Früher hatten wir uns vorgestellt, mit der QE II von Southampton nach New York und mit der Concorde wieder zurück. Das ging erst aus finanziellen Gründen nicht, dann wurde die Concorde außer Dienst gestellt und schließlich fuhr die QE II nicht mehr auf dieser Strecke. Also wurde der Traum erst mal begraben. Bis uns beim Tauchen im vergangenen Jahr eine liebe Bekannte (Claude) einen Floh ins Ohr setzte. Sie berichtete von ihrer Silberhochzeitsreise mit der 'Royal Clipper'. Eine Fahr von der Karibik ins Mittelmeer. Genau das war es. 14 Tage nur Meer! Aus dem Traum wurde eine Idee, aus der Idee ein Plan und aus dem Plan schließlich eine Reisebuchung für die Transatlantik-Überquerung 2008.
Darüber will ich in diesem Blog berichten. Er soll keinen Neid wecken, sondern Lust auf eine solche Reise machen, das Fernweh der Leserinnen und Leser stillen und Freunden und Verwandten langatmige Dia-Abende ersparen und sie trotzdem teilhaben lassen an den Erlebnissen, die Gisela und ich hatten.
In diesem Sinne eine spannende Lektüre.
PS: Auf dem Atlantik gibt es kein Wlan und kein Internet. Deshalb gibt es den Blog erst nach der Reise.