Donnerstag, 8. Mai 2008

Sonnabend, 12. April





Mit der Dämmerung ist auch die Nachtruhe vorbei. Ein Bad in der Karibik ist natürlich ein Pflichtpunkt. Das Wasser ist sehr salzig und hat eine angenehme Temperatur. Anschließend noch eine Runde durch den Pool und dann in Ruhe frühstücken. Wir haben uns ein wenig mit dem Stadtplan vertraut gemacht und festgestellt, das sich ganz in der Nähe unseres Hotels das Barbados National Museum befindet. Wir lassen uns noch instruieren, wie das Transportsystem auf Barbados funktioniert: es gibt öffentliche Busse, die ohne festen Fahrplan verkehren und es gibt Minibusse, die ihre Passagiere am Straßenrand auflesen. Ganz gleich, womit man fährt, der Einheitstarif ist 1,50 Barbados-Dollar. Das entspricht etwa 75 US-Cent und damit etwa 0,50 €. Auf dem Weg zum Museum passieren wir das Savannah Hotel und treffen unsere drei Sitznachbarn aus dem Flieger. Gemeinsam wandern wir zum Museum. Es ist einfach gehalten, vermittelt aber übersichtlich die gesamte Geschichte von der ersten Besiedlung durch Indianer aus Venezuela über die Entdeckung durch die Spanier, die Besetzung durch die Briten, die Sklaverei und ihr Ende in den frühen Jahren des 17. Jahrhunderts.

Bridgtown selbst ist eine quirlige Stadt. Auf den Straßen sind viele Menschen unterwegs, überall gibt es Marktstände und Gisela protestiert nicht, als ich eine frische Kokosnuss kaufe, um den erfrischenden Saft zu kaufen. Auffällig ist, dass hier die Autofahrer anhalten, wenn man auch nur Anstalten macht, die Straße zu überqueren. Eine ganz neue Erfahrung. Wir schauen uns eine Kirche an, umrunden das Parlamentsgebäude, dass von außen fast wie eine Kirch aussieht, sitzen am Rande der Marina und schauen ein wenig dem Treiben auf den Straßen zu. In der Ferne können wir neben der beeindruckenden Silhouette eines großen, modernen Kreuzfahrtschiffes die fünf Masten ‚unserer’ Royal Clipper sehen. Obwohl es aus dieser Distanz so wirkt, wie ein paar eng stehende Hochspannungsmasten, löst es doch wieder einen kleinen Impuls spannender Vorfreude aus.

Gegen 15:30 schließlich geht es mit dem Taxi zum Kreuzfahrtterminal. Eine lange Schlange vor einer Tischreihe, an der Zahlmeister und Hoteldirektor sowie andere Mitarbeiter des Schiffs die Einschiffungsformalitäten erledigen. Eine Verzichtserklärung in gruseligem Deutsch muss unterschrieben werden, damit niemand auf die Idee kommt, nach einem Untergang die Reederei verklagen. Wir verzichten auf den kleinen Transferbus und laufen die 500 Meter an der Kaje entlang zum Schiff. Man muss sich dem Segler schließlich langsam und mit Respekt nähern (außerdem kann man so viel besser fotografieren).

Nach und nach versammeln sich die Passagiere unter einem Sonnensegel (vielleicht auch Regendach) an Deck und trinken einen Cocktail. Wir wagen uns in die Tiefen des Schiffes und suchen unsere Kabine. Erstaunlich, wie groß 11 Quadratmeter sein können. Cremefarbene Wandvertäfelung, der untere Teil ist in dunklem Holz gehalten. In der Ecke zur Außenwand zwei zusammengeschobene Betten, Nachtschrank, ein kleiner Schreibtisch, eine niedrige Kommode. Aber Platz genug für uns zwei und der Stauraum reicht auch. Selbst das Bad (bis auf die Dusche) ist ausreichend groß. Wir sind sicher: hier kann man es aushalten.

Vor dem Abendessen noch eine kurze Unterweisung in alle ‚dont’s’ und dann ist es um 21.30 Uhr so weit: Leinen los zur Atlantiküberquerung. Kaum von der Hafenmauer entfernt lässt Kapitän Sergej etliche Segel setzen und ein Stück von Vangelis spielen. Mit vier bis fünf Konten nimmt die Royal Clipper Fahrt auf. Allerdings zeigt sich jetzt schon, dass das zunächst nur für das ‚Ah-und Oh-Gefühl’ war, denn als der Kurs ein wenig von Nordwest auf Nordost geändert werden muss, bremsen die Segel das Schiff total aus und werden eingeholt.

Egal: wir sind auf dem Weg.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Freitag, 11. April 208

Aufgeregt sind wir schon, auch wenn man es Gisela und mir nicht ansieht. Schließlich geht es auf eine Reise ins Ungewissen. Nein, nicht wirklich, den schließlich haben uns unsere Bekannten Claude und Ecki so begeistert von ihrer Tour vor einem Jahr erzählt und auch ein wenig über das Leben an Bord berichtet. Doch die Vorstellung, zu einer großen Segeltour über den Atlantik aufzubrechen kann uns nicht kalt lassen.

Aber von Segeltour ist erst mal keine Rede. Jetzt gilt es erst mal, von Bremen nach Barbados zu komme. Es zahlt sich doch manchmal aus, dass Menschen sich auch sieben Jahre nach de Ende meiner Fernsehpräsenz an mich erinnern. Die freundliche Dame von der Lufthansa, bei der wir einchecken, gibt sich viel Mühe, für uns einen langstreckenfreundlichen Sitzplatz zu buchen. A 22 und C 22. Wir hatten vorher schon im Internet herausgefunden, dass dies wohl die günstigsten Plätze sind: Am Notausgang und direkt vor der Galley. Also nicht nur mehr Beinfreiheit, sondern auch zwischendurch die Gelegenheit, die Füße an der Wand vor uns hochzustellen. Das es dort keinen vernünftigen Blick auf die Monitore gab, machte angesichts des Sitzkomforts wenig aus.

Die 9 ½ Stunden vergingen zwar nicht wie im Fluge (sorry, aber der Kalauer musste sein),aber es war zu ertragen. Gisela hat sich unsere Mitflieger angeschaut und Wetten abgeschlossen, wer von ihnen wohl ebenfalls mit an Bord der Royal Clipper kommen wird. Gleich die erste Wette ist ein Erfolg. Christine und Jens in der Reihe neben uns. Rolf direkt hinter uns kommt als Alleinreisender ebenfalls mit. Und auch einige andere Gesichter, auf die Gisela getippt hat, sehen wir später an Bord wieder.

Der Flughafen von Barbados gehört eher zu den angenehmen Einrichtungen dieser Art. Man darf vom Flieger die paar Schritte zu Fuß zum Terminal gehen, das Personal ist freundlich, die Dame am Einwanderungsschalter kann sogar lächeln und die Abfertigung geht auch trotz manch unvollständig ausgefüllter Formulare recht zügig voran.

Mit dem Taxi geht es unserer Unterkunft, dem Coconut Beach Ressort: ein etwas einfacheres Hotel ca. 20 Minuten von Flughafen entfernt, direkt am Strand, mit einem sehr großen, sauberen Zimmer. Auf der Fahrt frage ich den Fahre noch ein bisschen aus. So erfahren wir, dass etwas mehr als 200.000 Menschen auf der Insel leben, englisch die Amtssprache ist (auch wenn man das Englisch der Menschen hier nicht auf Anhieb versteht und sie sich untereinander in einem völlig fremden Dialekt unterhalten. Haupteinnahmequelle sind die Touristen, die entweder wegen der schönen Sandstrände kommen oder mit einem der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe einfallen, die hier regelmäßig Station machen. Ansonsten gibt es Zuckerrohr auf der Insel, aus der ganz ausgezeichneter Rum gemacht wird.

Ein Bier an der Bar direkt am Strand erhöht die ohnehin vorhandene Bettschwere. Neben uns kommen merkwürdige quietschende Geräusche aus dem Gebüsch. Es klingt, als ob dort eine rostige Pumpe ihre Arbeit verrichtet. Eine Dame (sie wird auch mit uns an Bord gehen) klärt uns darüber auf, dass der Lärm von kleinen Fröschen verursacht wird.Nach einem Bier an der Bar fallen wir schnell in einen kurzen, unruhigen Schlaf. Die Zeitverschiebung macht sich bemerkbar.

Dienstag, 6. Mai 2008

Der Traum.....



Einmal mit einem großen Schiff über das Meer fahren. Das war unser Traum. Und zwar nicht jeden Tag in einem anderen Hafen anlegen und nur nachts auf See. Nein, es sollte eine richtige Seereise werden. Früher hatten wir uns vorgestellt, mit der QE II von Southampton nach New York und mit der Concorde wieder zurück. Das ging erst aus finanziellen Gründen nicht, dann wurde die Concorde außer Dienst gestellt und schließlich fuhr die QE II nicht mehr auf dieser Strecke. Also wurde der Traum erst mal begraben. Bis uns beim Tauchen im vergangenen Jahr eine liebe Bekannte (Claude) einen Floh ins Ohr setzte. Sie berichtete von ihrer Silberhochzeitsreise mit der 'Royal Clipper'. Eine Fahr von der Karibik ins Mittelmeer. Genau das war es. 14 Tage nur Meer! Aus dem Traum wurde eine Idee, aus der Idee ein Plan und aus dem Plan schließlich eine Reisebuchung für die Transatlantik-Überquerung 2008.
Darüber will ich in diesem Blog berichten. Er soll keinen Neid wecken, sondern Lust auf eine solche Reise machen, das Fernweh der Leserinnen und Leser stillen und Freunden und Verwandten langatmige Dia-Abende ersparen und sie trotzdem teilhaben lassen an den Erlebnissen, die Gisela und ich hatten.
In diesem Sinne eine spannende Lektüre.
PS: Auf dem Atlantik gibt es kein Wlan und kein Internet. Deshalb gibt es den Blog erst nach der Reise.